Augen auf bei den Inhaltsstoffen: Johanniskraut und Lichtempfindlichkeit

In dieser Serie dreht sich alles um weitverbreitete, aber nicht immer unbedenkliche Inhaltsstoffe in diversen Produkten. Wir vom Amazingy Magazine möchten unser fundiertes Wissen teilen, sodass auch ihr die oft kryptischen Zutatenlisten auf Lebensmitteln und Kosmetikprodukten versteht. Ein bewusstes Konsumverhalten und das Verständnis dafür, was wir unseren Körpern innerlich und äußerlich zuführen, ist unserer Meinung nach der erste Schritt zu einem gesunden Lebensstil – und ein Akt der Selbstliebe.

Wichtige Tipps für das Lesen von Inhaltsstofflisten:

  • Der Hauptinhaltsstoff steht immer an erster Stelle, danach wird in absteigenden Mengen aufgezählt.
  • Falls es sich wie ein Chemie-Experiment anhört, ist es sehr wahrscheinlich nicht gut für dich.
  • Als Faustregel gilt, je weniger Zutaten, umso besser.

Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Synonyme: Blutkraut, Frauenkraut, Hergottsblut

Jemals von Johanniskraut gehört? Nein? Dann wird es aber Zeit! Die Blütenpflanze ist in Europa und Westasien heimisch und bekannt für ihre medizinischen Eigenschaften. Schon in der alten Antike wurde die Heilpflanze zu medizinischen Zwecken verwendet. Über die Jahrhunderte wurde “Hergottsblut”, wie es traditionell genannt wird, als Volksheilmittel angewandt um Wundern, Narben oder Verbrennungen zu behandeln. Heutzutage findet man es auch in einigen Hautpflege-Produkten. Außerdem hat Johanniskraut auch beruhigende und antidepressive Eigenschaften, weswegen es gerne als Mittel bei innerer Unruhe, Angstzuständen und die daraus resultierenden Ein- bzw. Durchschlafstörungen angewandt wird.

Äußerliche Anwendung von Johanniskraut

Johanniskraut ist im Allgemeinen als pflanzliches Antidepressivum bekannt und wird gerne bei der Behandlung von leichten bis mittelstarken depressiven Schüben oder nervöser Unruhe verwendet. Jedoch besitzt die Heilpflanze auch antibakterielle, entzündungshemmende, antioxidative und antivirale Eigenschaften. Diese wundheilenden Eigenschaften können äußerlich angewandt bei der Behandlung von atopischer Dermatitis, Schuppenflechte und Herpes helfen.

Das Problem mit Lichtempfindlichkeit

Eine bekannte Begleiterscheinung ist die Lichtempfindlichkeit. Der in Johanniskraut auftauchende Inhaltsstoff Hypericin kurbelt die phototoxische Reaktion der Haut an, was die Haut lichtempfindlich macht. Somit neigt man leichter dazu, z.B. Sonnenbrand zu bekommen. Diese Nebenwirkung tritt nur auf, wenn Johanniskraut in großen Mengen oral eingenommen wird und nicht bei äußerlicher Anwendung. Es ist immer noch unklar, ob die äußerliche Anwendung die gleiche Lichtempfindlichkeit auf der Haut überhaupt auslösen kann.

Symptome der Lichtempfindlichkeit beinhalten verschieden große und -geformte Läsionen, Rötungen, ein Hautausschlag oder Jucken der Haut wenn UV-Strahlen ausgesetzt. Obwohl dies selten vorkommt, kann man die Haut am besten vor Hautschäden schützen indem man diese so wenig wie möglich der direkten Sonne aussetzt und sich bedeckt, wenn man rausgeht.

Das Urteil

Johanniskraut hat viele heilende Eigenschaften: Äußerlich angewendet kann es die Wundheilung unterstützen und beugt weiteren Infektionen vor. Als Kapsel oder Tee eingenommen kann es als pflanzliches Antidepressivum zur Behandlung von leichten Depressionen verwendet werden. Aus meinen Recherchen geht hervor, dass Lichtempfindlichkeit für diejenigen ein Problem werden kann, die es oral einnehmen. Also falls Johanniskraut in deiner Lieblingscreme vorhanden ist, kannst du ohne Bedenken deine Creme weiterverwenden.
Jedoch kann es sein, dass du die Ausnahme der Regel bist. Falls du irgendeine Form von lichtempfindlichen Symptomen nach der Anwendung deiner Hautpflege bemerkst, solltest du deinen Hausarzt aufsuchen.

3 Discussions on
“Augen auf bei den Inhaltsstoffen: Johanniskraut und Lichtempfindlichkeit”
  • Was auch nicht jeder weiß: Wenn man Johanniskraut einnimmt, sollte man aufpassen, wenn man gleichzeitig Medikamente nimmt bzw. nehmen muss. Denn Johanniskraut führt über eine Anregung des Fremdstoffwechsels in der Leber dazu, dass die Wirkstoffe schneller abgebaut werden, so dass die gewünschte Wirkung nicht erreicht wird. Gerade z.B. bei der Pille kann das zu unerwünschten Folgen führen…

    • Hi Kathrin, du hast absolut recht. Danke, dass du auf diesen Punkt aufmerksam machst.
      Es ist bewiesen, dass Johanniskraut genau diese anregende Wechselwirkung auf andere Medikamente hat, die man einnimmt. Bei unserem Artikel wollten wir vor allem auf die äußere Anwendung von Johanniskraut eingehen und dessen Wirkung in Cremes und anderen Kosmetika und die Kontroversität der Lichtempfindlichkeit.
      Schön, dass du bei uns mitliest 🙂
      LG, Alana

      • Hallo Alana, vielen Dank für Deine nette Antwort! Bei äußerlicher Anwendung ist das Johanniskraut sicherlich weniger problematisch, was die Wechselwirkung mit Medikamenten angeht (da ist möglicherweise Lichtempfindlichkeit ein Thema, was Du ja beschrieben hast). Aber da die Einnahme bei Depressionen auch erwähnt wurde und Johanniskraut von jedermann leicht gekauft werden kann, viele aber nicht wissen, dass diese Pflanze bei oraler Anwendung wirklich einen starken Einfluss auf Arzneistoffe haben kann, wollte ich da einfach noch darauf hinweisen. Bei uns im Studium war das so ein “Klassiker” unter den Beispielen für unerwünschte Wechselwirkungen, den man uns recht wirkungsvoll eingebläut hat – sonst würde ich mich jetzt wohl nicht mehr daran erinnern 😉 LG Kathrin

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