Ein Portrait: Lawunda Richardson

Manche Menschen haben eine Bühnenpersona. Lawunda Richardson hat eine ganze Welt, die irgendwo zwischen zwei Identitäten, zwei künstlerischen Ausdrucksformen und zwei Arten, sich durch Berlin zu bewegen, existiert.

Geboren und aufgewachsen in Lakeland, Florida, begann Lawunda bereits in jungen Jahren mit Ballett, bevor sie professionell zu tanzen begann und schliesslich am Alonzo King LINES Ballet in San Francisco studierte und Teil einer Tanzcompagnie in Minneapolis wurde. Heute lebt sie in Berlin und arbeitet sowohl als zeitgenössische Tänzerin bei Sasha Waltz & Guests als auch als Drag-Künstlerin Lawunda, deren Performances sie durch Berlin und weit darüber hinaus geführt haben.

Die beiden Seiten stehen dabei nicht im Widerspruch zueinander. Im Gegenteil: Sie inspirieren und beeinflussen sich gegenseitig. Als Dominique prägen Bewegung, Disziplin und jahrelanges Tanztraining ihren Körper; als Lawunda werden dieselben Instinkte zu Charakter, Musik, Kostüm, Humor und Transformation. Die Beziehung zwischen beiden beschreibt sie selbst ganz einfach: Beide sind chaotisch – und sie nähren sich gegenseitig von ihrer Energie.

 

 

Eine Transformation bei Amazingy

Wir haben Lawunda für ein ganz besonderes Shooting in unser Berliner Büro eingeladen und durften dabei die Transformation von Dominique zu Lawunda mit Makeup, Farbe und Charakter festhalten – mithilfe von hauseigener Marke HIRO Cosmetics.

Der Prozess war dabei weit mehr als das Auftragen von Makeup. Es ging darum, zu beobachten, wie sich eine Persona Schicht für Schicht entwickelt: die Veränderung des Gesichtsausdrucks, der Wandel der Energie und schliesslich der Moment, in dem das Gesicht im Spiegel jemand anderem zu gehören scheint – oder vielleicht einfach einen weiteren Teil derselben Person sichtbar macht.

Für Lawunda war Drag schon immer eine Form der Erkundung. Sie entdeckte, dass Lippenstift und falsche Wimpern etwas in ihr freisetzen konnten, wonach sie lange gesucht hatte. So fand sie den Mut, verschiedene Facetten ihrer selbst zu erforschen – feminine ebenso wie maskuline. Heute versteht sie Drag weniger als eine von ihr getrennte Identität, sondern vielmehr als eine Erweiterung ihrer selbst: einen Raum, in dem sie mit Gender, Charakter und Performance spielen kann.

Scrollt durch die Bilder und begleitet Lawundas Transformation von Dominique zu Lawunda – und erlebt Beauty nicht als Mittel, Identität zu verbergen, sondern als Werkzeug, sie sichtbar zu machen.

 

 

Im Gespräch mit Lawunda

Du lebst seit ungefähr fünf Jahren in Berlin. Was macht die Stadt für dich als Drag-Künstlerin besonders?

Berlin fühlt sich wie ein Mekka für unterschiedliche Formen von Drag an. Innerhalb der queeren Drag-Community gibt es so viele Möglichkeiten, sich auszudrücken, und für all das gibt es ein Publikum – egal, ob Drag Queen, Drag King, Drag Monster oder etwas völlig anderes. Hier muss man nicht in eine einzige, perfekt polierte Vorstellung davon passen, wie eine Drag-Künstlerin oder ein Drag-Künstler aussehen sollte.

Wie kam Drag zum ersten Mal in dein Leben?

Ich bin mit Tanz aufgewachsen und habe immer nach einer queeren Seite gesucht, die ich im Ballett nicht gefunden habe. Dann entdeckte ich The Rocky Horror Picture Show. Ich setzte Lippenstift und Wimpern auf – und plötzlich machte alles Sinn. Von da an fand ich den Mut, Drag wirklich zu erforschen. Musik spielte dabei eine riesige Rolle. Whitney Houston war definitiv eine meiner ersten Queens.

Fühlen sich Dominique und Lawunda wie zwei unterschiedliche Menschen an?

Beide sind chaotisch! Sie beeinflussen sich wirklich gegenseitig. Durch Drag bin ich meiner non-binären Identität viel nähergekommen, weil es mir erlaubt hat, Seiten von mir zu erkunden, die ich früher nicht auszudrücken wagte – feminine und maskuline. Als Lawunda kann ich vollständig in einen Charakter eintauchen und mich fragen, was Gender für mich überhaupt bedeutet.

Was gibt dir Drag, was dein Leben als Dominique nicht gibt?

Es ist transformativ. Wenn du Drag anziehst und auf die Bühne gehst, verändert sich etwas in dir. Du wirst zu einer anderen Person – oder vielleicht zu einer Erweiterung deiner selbst. Du lächelst ein bisschen heller, Farben wirken intensiver. Und manchmal hat mir Drag tatsächlich geholfen, zu heilen. Ich habe Dinge performt, die aus schwierigen Erfahrungen entstanden sind, und danach kam jemand aus dem Publikum zu mir und sagte: „Ich habe das gefühlt.“ Plötzlich fühlte ich mich nicht mehr so allein.

Du hast auch deine eigene Drag-Familie. Was bedeutet das für dich?

Meine Drag-Mütter sind meine Mentorinnen – Menschen, die für dich da sind. Meine erste Drag-Mutter hat mich an Drag und Rocky Horror herangeführt. Hier in Berlin habe ich ausserdem Judy La Divina, die mir gezeigt hat, wie man Shows moderiert und mich dabei unterstützt hat, mich als Künstlerin weiterzuentwickeln. Und inzwischen bin ich selbst eine Drag-Mommy. Ich habe mehrere Kinder, die gleichzeitig einige meiner besten Freunde sind. Ich liebe es, ihnen beim Start zu helfen, ihnen Kostüme oder Auftritte zu vermitteln und sie auf ihrem Weg zu unterstützen.

Was bedeutet Repräsentation für dich?

Repräsentation sollte keine Quote sein. Es kann mehr als eine Schwarze Person in einem Raum geben. Berlin hat so viele unglaubliche Schwarze Drag-Künstler:innen, und ich möchte, dass diese Vielfalt sichtbar wird, anstatt eine einzelne Person für eine ganze Community stehen zu lassen. Echte Repräsentation bedeutet für mich: Wenn du gut bist, bekommst du den Job – und das Publikum bekommt die gesamte Vielfalt zu sehen, die tatsächlich existiert.

Und wie tankst du neue Energie, wenn du erschöpft bist?

Ich fahre in den Urlaub, weit weg von Berlin. Keine Perücke. Kein Makeup. Ich glaube, es ist wichtig, Abstand zu gewinnen und sich daran zu erinnern, warum man eigentlich tut, was man tut. Drag ist eine Erweiterung von mir selbst. Wenn ich also keine Zeit damit verbringe, einfach ich selbst zu sein, kann dieser Teil von mir ein bisschen verloren gehen.

 

Mehr als eine Transformation

Lawunda bei ihrer Verwandlung zuzusehen, erinnert uns daran, dass Makeup so viel mehr sein kann als reine Verschönerung. Es kann Theater sein, Storytelling, Schutz, Spiel – oder einfach eine Möglichkeit, einem anderen Teil von sich selbst Raum zu geben.

Und vielleicht ist genau das es, was Lawundas Beziehung zu Beauty so faszinierend macht. Es gibt kein wirkliches Davor und Danach. Da ist Dominique, da ist Lawunda – und alles, was dazwischen liegt: ständig in Bewegung, sich entwickelnd und neu entstehend.

 

Folge diesem Link, um Lawunda’s wunderschöne Verwandlung zu sehen,

gefilmt von unserer lieben Diana

 

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