Alkohol in Kosmetik – besser als sein Ruf!

Der gute und der schlechte Alkohol in Hautpflegeprodukten

Obwohl Alkohol in Kosmetikprodukten gerne kritisch betrachtet wird, handelt es sich um eine wichtige und gar nicht so schädliche Zutat. Immer wieder heißt es, dass Alkohol die Haut austrocknet und irritiert. Doch stimmt diese Behauptung überhaupt so kategorisch?

Alkohol bezeichnet eine ganze Gruppe von Flüssigkeiten. Wenn wir von Alkohol sprechen, meinen wir meistens Ethanol C2H5OK, das durch Vergärung von zucker- bzw. stärkehaltiger Biomasse hergestellt wird.

Die wichtigste Funktion von Alkohol in medizinischen als auch kosmetischen Produkten ist die bakterienabtötende Wirkung. Es handelt sich also im weiteren Sinne um einen Konservierungsstoff und verhindert, dass unsere Salben und Lotions schlecht werden. Aktiv hat er eine entzündungshemmende oder deodorierende Wirkung. Außerdem benötigt es oftmals einen wässrig-alkoholischen Auszug, um viele wertvolle, oftmals wasserunlösliche Inhaltsstoffe aus Pflanzenteile zu emulgieren. Alkohol dient also auch als Lösungsmittel.

Zuviel ist zuviel

Ist zuviel Alkohol in Pflegeprodukten enthalten, kann bereits trockene Haut aufgrund der Fettlösekraft des Alkohols empfindlich reagieren: die natürliche Talgschicht wird zerstört. Liegt der Alkoholanteil unter 5% gibt es in der Regel kein Problem, da der Alkohol größtenteils beim Auftragen von Cremes (auch bei Parfum, erst beim Verdunsten werden die Duftmoleküle frei gesetzt) verfliegt. Chemische Konservierungsstoffe wie Parabene bleiben hingegen den ganzen Tag auf der Haut und bringen den pH-Wert der Haut so auf Dauer durcheinander. Durch die schnelle Verdunstung entsteht ein Kühlungseffekt wie auch beim Schwitzen. Das erklärt, warum in den meisten Après Sun-Produkten Alkohol enthalten ist.

In Cremes findet sich natürlich kein Trinkalkohol, sondern eine vergällte Substanz (INCI: alcohol denat), die oftmals mit Weichmachern versetzt ist. Diese Alkohol-Variante ist nicht zum Trinken geeignet und demnach auch nicht gut für die Haut! In vielen Produkten wird jedoch der bessere Trinkalkohol, also Ethanol, verwendet. Am verträglichsten sind Weizenalkohol oder Bio-Weingeist: zertifizierter bio-organischer Alkohol, der aus Getreide oder Trauben gewonnen wird. Im Gegensatz zu der vergällten Variante steht reiner Alkohol nicht im Verruf Allergien auszulösen.

Was ist Fettalkohol?

Fett- oder Wachsalkohole (besonders häufig auf der INCI-Liste: Lauryl-, Cetearyl- und Cetyl-Alkohol) sind ebenfalls in Kosmetikprodukten zu finden. Die sind allerdings nicht mit den einfachen Ethyl-Alkoholen zu verwechseln und gut verträglich. Diese Fettalkohole werden aus den in Pflanzenteilen vorkommenden Fettsäuren gewonnen. Vor allem pflanzliches Glycerin ist in vielen Hautpflegemitteln verarbeitet. Fettalkohol aus Kokos ist besonders pflegend und entgegen der ursprünglichen Behauptung äußert feuchtigkeitsspendend.

Auf offenen Wunden (und Schleimhäuten) sollte kein Alkohol aufgetragen werden. Also lieber Finger weg von alkoholhaltigen Gesichtswassern, wenn der Pickel schon aufgekratzt ist. Auch im medizinischen Bereich wird bei blutenden Wunden auf Jod zum Desinfizieren zurück gegriffen. Alles andere brennt wie Hölle und schadet der Wunde zusätzlich.

Alkohol ist nicht gleich Alkohol

Als Fazit gilt: Alkohol ist nicht gleich Alkohol. Es lohnt sich immer, die Liste der Inhaltsstoffe zu überprüfen. Steht Alkohol gleich an zweiter Stelle auf der Liste der Inhaltsstoffe, sollte bei sehr empfindlicher Haut möglicherweise zu einem anderen Produkt gegriffen werden. Ansonsten gilt: Vergällter Alkohol nicht so gut, Bio-Alkohol in Maßen nicht so schlimm!

Quellen:

http://www.dermaviduals.de/deutsch/publikationen/inhaltsstoffe/vielfaeltig-im-einsatz-alkohole-in-hautpflegemitteln.html

http://www.olionatura.de/_rohstoffe/?id=23

Leave A Comment

Your email address will not be published.