{"id":11827,"date":"2015-11-16T10:52:47","date_gmt":"2015-11-16T09:52:47","guid":{"rendered":"http:\/\/amazingy.com\/magazine\/de\/?p=11827"},"modified":"2015-11-23T11:23:58","modified_gmt":"2015-11-23T10:23:58","slug":"ostmost-ein-schluck-natur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/amazingy.com\/magazine\/de\/ostmost-ein-schluck-natur\/","title":{"rendered":"Ostmost: Ein Schluck Natur"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ich probiere einen Schluck Apfelsaft und bin begeistert. Schmeckt nach Kindheit, wo man auf Nachbars Baum kletterte, um \u00c4pfel zu klauen und hoch oben in der Krone noch in den saftigen Apfel biss. Schmeckt nach Vielfalt und Tiefe, fast will ich von einem intensiven, vollmundigen Abgang sprechen, als ob es ein Wein und kein Apfelsaft w\u00e4re. Doch mit Apfelsaft hat dieses Getr\u00e4nk ungef\u00e4hr so viel zu tun wie Primark mit Haute Couture. Die \u00c4pfel kommen bei Ostmost n\u00e4mlich allesamt von biozertifizierten Streuobstwiesen.<\/strong><\/p>\n<p>Streuobst? Sind das die \u00c4pfel, die vom Baum fallen und dann verstreut auf der Wiese liegen? &#8220;Nein, nicht Fallobst&#8221;, sagt Paul D\u00f6cker von Ostmost. &#8220;Die B\u00e4ume stehen verstreut auf einer Wiese, daher der Name&#8221;. Auf Streuobstwiesen finden sich Birnen, Waln\u00fcsse, Sauerkirschen, Pflaumen, aber vor allem Apfelb\u00e4ume. Die stehen teilweise zehn Meter und mehr von einander entfernt, so dass dazwischen K\u00fche weiden k\u00f6nnen oder man nutzt das Land als Heuwiese oder als Acker.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/amazingy.com\/magazine\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Ostmost-0571.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-11895 size-full\" src=\"http:\/\/amazingy.com\/magazine\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Ostmost-0571.jpg\" alt=\"Ostmost-0571\" width=\"1267\" height=\"1900\" data-wp-pid=\"11895\" srcset=\"https:\/\/mag.amazingy.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Ostmost-0571.jpg 1267w, https:\/\/mag.amazingy.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Ostmost-0571-683x1024.jpg 683w, https:\/\/mag.amazingy.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Ostmost-0571-666x999.jpg 666w, https:\/\/mag.amazingy.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Ostmost-0571-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1267px) 100vw, 1267px\" \/><\/a><\/p>\n<h2>Streuobstwiesen zur\u00fcckerobern<\/h2>\n<p>Damit die B\u00e4ume wenig Pflege brauchen, werden stets robuste Sorten ausgew\u00e4hlt, die den lokalen Gegebenheiten von Bodenbeschaffenheit und Klima optimal entsprechen. Die haben dann so lustige Namen wie Geflammter Kardinal, Geheimrat Dr. Oldenburg oder Minister von Hammerstein. Doch den Apfelb\u00e4umen und den Streuobstwiesen geht es an den Kragen. Von den 3000 urspr\u00fcnglichen Sorten, sind gerade Mal 60 noch im Handel erh\u00e4ltlich. Durch zahlreiche lokale und regionale Regelungen, ging die Anzahl von Streuobstwiesen in den letzten 50 Jahren um zwischen 70 und 75 Prozent zur\u00fcck.<\/p>\n<p>&#8220;Reclaim Streuobstwiesen. Austrinken und Aufb\u00e4umen&#8221; steht daher auf der R\u00fcckseite der Ostmost-Flaschen. Eine Kampfansage und eine Vision! Ideengeber Bernd Schock hat daf\u00fcr 2012 zuerst den Verein \u201e\u00c4pfel und Konsorten\u201c gegr\u00fcndet um das vielf\u00e4ltige Obst, manche Sorten werden im September reif, andere erst im Januar nach dem Frost, vor dem Aussterben zu bewahren. Doch wohin mit den ganzen geretteten \u00c4pfeln? Die Antwort kam zwei Jahre sp\u00e4ter als er Ostmost zur Re-Finanzierung aus dem Boden stampfte.<\/p>\n<p>Die Firma gr\u00fcndete er mit Harald Elm, dem die alteingesessene Kelterei Elm in Fulda geh\u00f6rt, wo die \u00c4pfel zu Saft verarbeitet werden. Dennis Meier und Paul D\u00f6cker sind f\u00fcr Verkauf und Vertrieb zust\u00e4ndig. Nun will er aber ohne Krawatte und Anzug Sinnvolles tun. Ihr ganzes Know-How und Herzblut stecken sie jetzt in Ostmost.<\/p>\n<p>Zu Beginn gab es Saft, Schorle und Cider (&#8216;wild&#8217; mit 5,5 Prozent und &#8216;mild&#8217; mit 3,5 Prozent). \u201eGerade die Cider sind im Club sehr beliebt\u201c erkl\u00e4rt Paul und mit dem Drehverschluss l\u00e4sst es sich einfach besser tanzen. Inzwischen gibt es sieben Produkte mit dem minimalistischen Design von Steinkauz, Fuchs, Gr\u00fcnspecht, Pirol, Wiedehopf und Maulwurf auf dem Etikett, darunter Apfel-Minze, Apfel-Rote Beete und Apfel-Johannisbeere.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Getr\u00e4nke, die polarisieren<\/h2>\n<p>Der Cider ist etwas herb und nicht zu gef\u00e4llig. Die Apfel-Johannisbeer-Schorle schmeckt leicht s\u00e4uerlich, fast wie Traubensaft vom Winzer. Die Apfel-Minz-Schorle muss ich mehrmals trinken, so ungew\u00f6hnlich kommt sie daher. Nicht zu s\u00fc\u00df und sehr erfrischend Dank der Kreuzung aus Wasser und deutscher Krauseminze. In der Apfel-Rote-Beete-Schorle \u00fcberwiegt der erdig-s\u00fc\u00dfe Geschmack der Roten Beete, das muss man m\u00f6gen, ich finde es lecker. &#8220;Die Apfel-Rote-Beete-Schorle polarisiert sehr&#8221;, sagt Paul und gesteht, dass sie sich gegen den Kelterer durchsetzen mussten, der dachte: Das verkauft sich nicht. Doch die junge Berliner Marke will sich nat\u00fcrlich auch vom Mainstream-Geschmack absetzen und von Mitbewerbern geschmacklich distanzieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/amazingy.com\/magazine\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Untitled-design-5.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-11899 size-full\" src=\"http:\/\/amazingy.com\/magazine\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Untitled-design-5.png\" alt=\"Untitled design (5)\" width=\"1024\" height=\"638\" data-wp-pid=\"11899\" srcset=\"https:\/\/mag.amazingy.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Untitled-design-5.png 1024w, https:\/\/mag.amazingy.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Untitled-design-5-720x449.png 720w, https:\/\/mag.amazingy.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Untitled-design-5-300x187.png 300w, https:\/\/mag.amazingy.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Untitled-design-5-800x498.png 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/p>\n<h2>Die kleinen Regenw\u00e4lder Mitteleuropas<\/h2>\n<p>Drei Streuobstwieseninitiativen in Th\u00fcringen beliefern die junge Berliner Getr\u00e4nkemarke. Doch Paul und seine Mitstreiter haben auch Fl\u00e4chen in Brandenburg gepachtet, die sie nun mit jungen B\u00e4umen neu bepflanzen. &#8220;Alte Sorten zu finden, ist dabei die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung&#8221;, erkl\u00e4rt Paul. Die jungen B\u00e4ume standen den Sommer \u00fcber bei den Kunden von \u201eOstmost\u201c, etwa auf der Dachterrasse im Klunkerkranich in Neuk\u00f6lln oder in den Prinzensinneng\u00e4rten in Kreuzberg. Anschlie\u00dfend werden sie auf Streuobstwiesen in Brandenburg gepflanzt.<\/p>\n<p>Warum sein Herz so an Streuobstwiesen h\u00e4ngt, kann Paul schnell erkl\u00e4ren. &#8220;Sie werden auch die &#8216;kleinen Regenw\u00e4lder Mitteleuropas&#8217; genannt.&#8221; Auf einer Streuobstwiese sind bis zu 6000 Pflanzen- und Tierarten beheimatet, vom L\u00f6wenzahn bis zur Honigbiene, von der Herbstzeitlose bis zum Fuchs und vom gelben Hohlzahn bis zur Kreuzspinne. Ein R\u00fcckzugsort f\u00fcr Flora und Fauna, der unbezahlbar ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Au\u00dferdem werden die B\u00e4ume der Streuobstwiese weder mit Pestiziden, Fungiziden noch mit Herbiziden bespr\u00fcht und meist von Hand geerntet. &#8220;Das ist die erste Qualit\u00e4tskontrolle&#8221;, sagt Paul, denn nur reife \u00c4pfel werden abgenommen \u2013 und das schmeckt man. Doch diese behutsame Art der Bewirtschaftung hat ihren Preis, weshalb die Wiesen langsam verschwinden. \u201eOstmost\u201c stemmt sich dagegen. So zahlen sie den Bauern mit dem so genannten &#8220;Aufpreismodell&#8221; den doppelten Marktpreis f\u00fcr die \u00c4pfel. &#8220;Wir wollen, dass die Bauern f\u00fcr ihre Arbeit korrekt entlohnt werden&#8221;, sagt Paul. So viel Fairness und Qualit\u00e4t hat ihren Preis, weshalb ein 0,33-Fl\u00e4schen locker mal zwei &#8211; drei Euro im Gesch\u00e4ft kostet.<\/p>\n<p>Da die B\u00e4ume bis zu 31 Jahre brauchen bis sie die volle Ertragsreife erreichen, daf\u00fcr aber auch 150 Jahre alt werden k\u00f6nnen, denken die Macher langfristig.<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Wir ernten die \u00c4pfel unserer V\u00e4ter und pflanzen die B\u00e4ume f\u00fcr unsere Kinder sp\u00e4ter&#8221;, sagt Paul.<\/p><\/blockquote>\n<p>Zum Gl\u00fcck kommen die urbanen Genussmenschen langsam auf den guten Geschmack von Streuobsts\u00e4ften. \u201eOstmost\u201c wird bereits in zahlreichen Restaurants, Bars, Clubs und Cafes der Stadt verkauft und sogar beim Sternekoch Tim Raue serviert. Doch es gibt einen Haken. &#8220;Das Produkt ist endlich&#8221;, sagt Paul grinsend. Denn der Rohstoff ist endlich, weil es einfach nicht mehr viele biozertifizierte Streuobstwiesen gibt. F\u00fcr Paul kein Grund zu klagen. &#8220;Ich mag die Vorstellung ein limitiertes Produkt zu haben, das ist so anachronistisch zu unserer heutigen Zeit, wo alles, immer, \u00fcberall erh\u00e4ltlich ist.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich probiere einen Schluck Apfelsaft und bin begeistert. 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